
Persönliche Einstellungen der Pflegenden
Die Pflegeperson soll fähig sein
- ihr Denken und Handeln zu reflektieren
- traditionelle Denkmuster zu überwinden
- sich in andere hineinzuversetzen
- Menschen anzunehmen
- Eigene Gefühlsregungen wie Freude, Lust und Liebe sowie Ängste, Sorgen, Hilflosigkeit, Enttäuschung,
Trauer. Unverständnis, unerklärbare (vernunftwidrige) Reaktionen zuzulassen, zu reflektieren, zu
hinterfragen, anzunehmen und damit umzugehen.
Die Grundhaltung der Pflegeperson soll
- positiv sein
- durch Echtheit, Einfühlungsvermögen und Akzeptanz geprägt sein.
Das Ziel einer Pflegeperson soll sein
- Vertrauen und Verstehen
- Wärme und Geborgenheit
- Ruhe und Hoffnung zu vermitteln
- Kreativität und Spontanität auf zwischenmenschlicher Ebene zu ermöglichen.
Organisatorische Voraussetzungen
Stationsregeln und Strukturen sollen
- flexibel sein
- sowohl den individuellen Bedürfnissen und der Kreativität des Patienten als auch den therapeutischen Notwendigkeiten einen angemessenen Freiraum ermöglichen.
Ziel des therapeutischen Teams soll sein
- eine Ausgewogenheit zwischen Ruhe und Aktivität des Patienten herzustellen
- den Patienten zu motivieren, das vielfältige Angebot an therapeutischen Möglichkeiten innerhalb und außerhalb des Hauses zu nützen
- die zu erbringenden Dienstleistungen am Patienten mit seinen Bedürfnissen und Wünschen abzustimmen, ohne dabei die wirtschaftliche Verantwortung und organisatorische Notwendigkeien außer Acht zu lassen.
Das therapeutische Team soll fähig sein
- zur gegenseitigen Akzeptanz im multiprofessionellen Team
- zur offenen Kommunikation im Team
- Konkurrenzdenken, Stereotypen und rigides Verhalten im Team zu verhindern
- Mit anderen Einrichtungen sachlich und zielgerichtet zusammenzuarbeiten.
Qualitätsstandards und Stellenbeschreibungen sollen
- eine kontinuierlich gute Pflege ermöglichen
- eine optimale Einführung neuer Mitarbeiter gewährleisten
- ständig von den Anwendern überprüft und weiterentwickelt werden
Pflegeleitbild Landesnervenklinik Sigmund Freud 3. Auflage September 2003
Sich noch in Ausbildung Befindende sollen
- ihren Ausbildungsinhalten entsprechend in ihren Tätigkeits- und Verantwortungsreich eingeführt,
- von qualifizierten Bezugspersonen begleitet werden
- eine objektive konstruktive Beschreibung ihrer Praktikumsleistung erhalten.
Fachliche, patientenorientierte Kompetenz
Ziel pflegerischen Handelns soll sein
nach den Grundsätzen der Soziotherapie
- die Selbständigkeit und die Eigenverantwortlichkeit des Klienten zu stärken bzw.
wiederherzustellen
- die Selbstpflegefähigkeiten zu fördern
- den Klienten so schnell wie möglich in seine Umgebung zurückzuführen
- das soziale Umfeld und die Angehörigen mit einbeziehen
- auf das soziale Umfeld und die Angehörigen unterstützend, beratend, informierend und
entlastend einzuwirken
- den nicht rehabilitierbaren und in die Station sozial integrierten Patienten zu ermöglichen, in
der Zeit seines stationären Aufenthaltes die Station als sein „zu Hause“ zu erleben
durch themen- und methodenzentrierte Gruppen- und Einzelaktivitäten soll
- die Entwicklung von Selbstachtung und persönlichem Wert
- die Pflege des Umgangs mit anderen
- die Bewältigung alltäglicher Situationen
- die Bereitschaft des Patienten zur Mitarbeit bei diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen
erreicht werden
Leitfaden und Orientierungshilfe für die Pflege von psychisch Kranken soll die
Anwendung von Pflegemodellen
- von Dorothea Orem mit ihrem Modell der Selbstpflege sein
- von Chris Abderhalden mit den erweiterten Aktivitäten des täglichen Lebens für die psychiatrische Pflege
- von Hildegard Peplau mit ihrem Modell der Beziehungspflege
- von Nancy Roper und ihrem Modell der Aktivitäten des täglichen Lebens
Als Instrumente zur Sicherung der Kontinuität und Eigenständigkeit in der Pflege
soll angewandt werden
- Bezugspflege
- Pflege- bzw. Behandlungskonzept
- Pflegestandards
- Pflegevisite
- Pflegediagnosen
- Pflegeplanung unter Berücksichtigung der verbliebenen Restfähigkeiten und der Biographie des Patienten
- die Pflegedokumentation
Zur eigenen beruflichen Motivation und Reflexion sollen
- regelmäßige Teambesprechungen abgehalten werden
- regelmäßig Fort- und Weiterbildung besucht werden
Pflegeleitbild Landesnervenklinik Sigmund Freud 3. Auflage September 2003
Dieses Pflegeleitbild wurde der Anstaltsleitungssitzung vorgelegt und von den Mitgliedern der Anstaltsleitung akzeptiert.
Die Pflegedienstleitung der Landesnervenklinik Sigmund Freud Graz erklärt den Inhalt dieses
Pflegeleitbildes unter ständiger Evaluierung für alle MitarbeiterInnen des Pflegedienstes der
Landesnervenklinik Sigmund Freud für verbindlich und fordert die Umsetzung nach den
vorhandenen Ressourcen und Voraussetzungen.
Franz LENHARDT eh.
Pflegedirektor Graz, im September 2003
Im Auftrage der Pflegedirektion der Landesnervenklinik Sigmund Freud Graz
Herrn Franz Lenhardt Pflegedirektor
Für den Inhalt verantwortlich:
Amtmann, Köckinger, Krempl, Lenhardt, Neuhold, Troger, Wagner
und viele Pflegepersonen der Landesnervenklinik Sigmund Freud
Pflegeleitbild Landesnervenklinik Sigmund Freud 3. Auflage September 2003