
Viele Patienten landen infolge schwerer seelischer Krisen in einem gesellschaftlichen Niemandsland. Ihr soziales Netzwerk zerreißt, sie verlieren oft Partner, Freunde, Arbeitsplatz, ja sogar ihre Wohnung. Beim Leben am Rande unserer Gesellschaft verkümmern die für eine geregelte Arbeit und für das Anknüpfen zwischenmenschlicher Beziehung notwendigen Fähigkeiten.
Die Therapie in der LSF leitet unter anderem die psychosoziale Rehabilitation ein. Das heißt, sie versucht den Patienten die Rückkehr in die soziale Gemeinschaft zu erleichtern. Dies geschieht durch ein Behandlungspaket aus Medikamenten, psychotherapeutischen Gesprächen, lebenspraktischem Training, Ergotherapie, Freizeitaktivierung, Sport, Musik, Tanz etc.
Diese teilweise übenden Therapien werden in einem strukturierten Tagesprogramm angeboten. Individuell modifiziert wird für jeden Patienten ein Stundenplan, ganz wie in einer Schule, entwickelt. In dieser Lebensschule lernen die durch die Krankheit oft recht einzelgängerisch gewordenen Patienten wieder, sich in eine Gruppe einzufügen, sie üben Pünktlichkeit und Ausdauer, und durch kleine Erfolgserlebnisse steigt schrittweise auch ihr Selbstbewusstsein wieder an.
Dabei ist es wichtig für die Therapeuten zu wissen, dass wir mit unseren Patienten bei dieser Rehabilitation auf einem schmalen Grat zwischen Überforderung und Unterforderung balancieren. Überforderung könnte eine neuerliche Flucht in die akute Psychose auslösen, Unterforderung führt oft zu chronischer Abstumpfung, zum so genannten Hospitalismus.
Gerade hier gilt es einen wohldosierten Mittelweg zu finden, denn schon der Volksmund sagt: „Z‘wenig und z‘viel ist dem Narren sein Ziel.“
Univ.-Prof. Dr. Rainer Danzinger