

Geschichte
Die psychiatrische Familienpflege(PFP) entstand durch das Engagement sozialpsychiatrisch denkender und handelnder Psychiater des psychiatrischen Schwerpunktkrankenhauses des Landes Steiermark in Graz (Heil- und Pflegeanstalt am Feldhof, Landessonderkrankenhaus für Neurologie und Psychiatrie, Landesnervenkrankenhaus, Landesnervenklinik Sigmund Freud). Von Anfang an war die PFP als Wohnversorgung für intellektuell und/oder psychisch schwer beeinträchtigte Menschen konzipiert.
1946 Prim. Hermann
Integration von Kindern aus dem Pius-Institut Bruck/Mur und Heilpädagogischen Abteilung am Feldhof in Pflegefamilien.
1970 - 1989 Prim. Fürtinger
Patienten des LNKH wurden bei bäuerlichen Pfegefamilien aufgenommen, denen für eingebrachte Arbeitsleistung Kost und Quartier gewährt wurde. Sie erhielten einen geschützten Arbeitsplatz und viele konnten sich einen Pensionsanspruch erwerben. Die Außenfürsorge wurde mittels Durchführungsbestimmungen organisiert.
1989 - heute Prim. Grössl
Orientierung an Modellen im Ausland, die PFP wird Mitglied der Groupe De Recherche Europèen Sur Le Placement Familial. Die Unterbringung der Patienten bei Pflegefamilien erfolgt seit 1989 aufgrund speziell dafür entwickelter Kriterien. Dadurch erhalten Pflegefamilien nach einem variablen Schlüssel eine finanzielle Abgeltung ihres Aufwandes. Die Philosophie der PFP wurde dahingehend geändert, dass Patienten als Gäste und Mitbewohner (Familienverbandsangehörige) und nicht mehr als "Arbeitskräfte" integriert werden. Seit 1991 gibt es einen Vertrag der Steiermärkischen Landesregierung mit der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft m. b. H. (KAGES) und 1997 erfolgte Übernahme der Trägerschaft durch die KAGES. Somit wurde die Psychiatrische Familienpflege eine eigenständige extramurale Einrichtung der KAGES. Im Jahr 2005 wurde das steiermärkische Pflegeheimgesetz novelliert mit einer expliziten landesgesetzlichen Verankerung der PFP.
Organisationstruktur
Die PFP ist eine eigenständige Organisationseinheit der KAGES in enger Zusammenarbeit mit der Landesnervenklinik Sigmund Freud · Graz, und stellt sich die Aufgabe, eine sinnvolle Alternative zur Unterbringung von PatientInnen in Heimen anzubieten. Ein interdisziplinäres Team bestehend aus acht MitarbeiterInnen betreut rund 140 PatientInnen in 100 Pflegefamilien.
Zielgruppe und Arbeitsweise
Die PFP ist eine Betreuungsform für psychisch chronisch Kranke und geistig Behinderte, die von einem entsprechend ausgebildeten Team geplant und durchgeführt wird. Der Fokus der fachlichen Betreuung besteht darin, den Entwicklungsprozess, den Patient und Pflegefamilie gemeinsam durchmachen, zu begleiten und bei Bedarf problembezogen einzugreifen. Innerhalb der Pflegefamilie entwickeln sich persönliche, lebensechte, emotionale Beziehungen.
Betreuungskonzept
Im Sinne eines gesamtheitlichen Betreuungskonzeptes setzen wir die psychiatrische Behandlung mit dem Schwerpunkt auf soziotherapeutische Maßnahmen fort.
Bezugspflege
Unsere Beziehungen zu den Betreuten und den Pflegefamilien wachsen über Monate und Jahre.
Ressourcenorientierung
Es entwickeln sich Voraussetzungen, die es unseren Betreuten ermöglichen, ihre Ressourcen einzubringen.
Soziales Netzwerk
In Kooperation mit den Hausärzten und niedergelassenen Fachärzten sowie dem achtsamen Miteinbeziehen des sozialen Umfeldes (Pflegefamilie, Sachwalter, Bezugspersonen aus der Ursprungsfamilie, Freunde sowie öffentliche Stellen) knüpfen wir mit unseren Patienten ein neues soziales Netz.
Zielsetzung und Vision
Wir bemühen uns
» psychosoziale Rehabilitation zu ermöglichen
» größtmögliche Autonomie zu erreichen
» um eine gute Lebensqualität
» um den Abbau von Vorurteilen gegenüber psychisch Erkrankten
Unsere Pflegefamilien in der Steiermark

Legende:
kleine Punkte ... Wohnorte der Pflegefamilien
große Punkte ... Wohnorte der PFP-MitarbeiterInnen